Gemeinsam mit den Eltern, den Kindern und dem Mitarbeiterteam haben wir uns für die durchgängige Altersmischung entschieden. Eine spezielle Didaktik des sozialen Lernens er-möglicht das individuelle Eingehen auf jedes einzelne Kind und auf die Gruppe. Ältere über-nehmen verantwortungsvolle Aufgaben und unterstützen so die pädagogische Arbeit. Der selbstbestimmte und eigenverantwortliche Lernprozess der Kinder macht das möglich.
Zukunftsfähigkeit ist eins unserer Hauptprämissen. Deshalb spielt die in das Unterrichtskonzept integrierte Bildung für Nachhaltigkeit eine große Rolle.
Die Neugliederung der Lehrplaninhalte aller Fächer zu einem fachvernetzenden und „gren-zenlosen“ Curriculum aller Schkolaschulen unter Beachtung seiner regionalen und erzieheri-schen Besonderheiten und Ansprüche bietet dabei den Mitarbeitern die planerische Grundlage ihrer Arbeit.
In Wochen- und Tagesplänen, Projekten und Experimenten lernen die Kinder, und sie dürfen auch Fehler machen, als Voraussetzung für Korrekturen und weiteres Lernen. Ohne den Druck von Noten und Zensuren erleben sie den Tag als ihren Tag und freuen sich auf die Ergebnisse, die sie erreicht haben und auch auf die zahlreichen Lobe, Hinweise und Kritiken ihrer „Lernbe-rater“ und Mitschüler. Regelmäßig beraten die Kinder, Eltern und Lehrer gemeinsam über den Leistungs- und Entwicklungsstand. Hierzu dienen Gespräche, Elternstammtische, und verbale Einschätzungen in den so genannten Erfolgsheftern und Lerntagebücher.
Der tägliche Rhythmus von Morgenkreis, Kernzeit und Abschlussrunde bestimmt den Tag. Unterricht in altersgemischten Gruppen wechselt mit Jahrgangsklassen, offener Unterricht mit frontalem. Das Theaterspielen im Rahmen des Deutschlehrgangs gehört genauso dazu, wie der obligatorische Polnischunterricht oder die Arbeit am und mit dem Computer.
„Ich helfe anderen, so hilft man auch mir.“
Die Klassenräume erinnern an ein großes Kinderzimmer mit Lesezelt, Computerecke und Trampolin. Feste Regeln sind überall im Raum und im Schulhaus zu sehen. „Ich helfe anderen, so hilft man auch mir.“ Alle Schilder und Regalaufschriften sind zweisprachig, in Deutsch und in Polnisch.
Am Begegnungstag lernen wir in Stationen. In sprachlichen Mischgruppen von höchstens sechs Kindern absolvieren sie während des gemeinsamen Lerntages die verschiedenen Statio-nen. Dieser Tag findet jeweils im wöchentlichen Wechsel in Deutschland und dem Nachbarland (Tschechien oder Polen) statt, so sind die Kinder einmal Gast und einmal Gastgeber. Die güns-tige Lage der aller Schulen ermöglicht das auch organisatorisch. Schwerpunkt des Stationen-lernens ist das gemeinsame Tun der Kinder. Dies erfordert eine gute und intensive Vorberei-tung und Abstimmung. Regelmäßig finden Arbeitstreffen und gemeinsame Beratungen statt. Einmal im Schuljahr fahren wir zu einer Teamklausur. Über die Sprache und die Begegnung mit dem „Anderen“ lernen die Kinder auch deren Akzeptanz. Sie lernen den Umgang mit dem „Fremden“ und dem „Ungewohnten“, sie lernen auch, im wahrsten Sinne, „fremd zu sein“. Wir sind der festen Überzeugung, dass sie dann auch das Eigene, das Gewohnte und das Vertraute schätzen und lieben lernen. Gerade hier, unmittelbar an der Grenze, ist das von hoher Wichtig-keit. Dies ist eine unerschöpfliche Quelle des Wissens und Erlebens und der Erziehung.
Durch die gemeinsamen Erlebnisse der Kinder und Eltern erreichen wir, dass sie Toleranz, Achtung, Rücksicht und Liebe der Menschen untereinander, egal welcher Nationalität oder kultureller Herkunft, als einzige Chance und Notwendigkeit des Zusammenlebens begreifen. Dabei geht es nicht um kulturelle Anpassung, Kopie oder Vermischung, sondern um nationale Identität, um Stolz und um Akzeptanz und Wissen über „die Anderen“. Das Erlernen der Spra-che ist dabei nicht nur Schlüssel für die Verständigung, sondern begrifflicher Ausgangspunkt für vielfältige zwischenmenschliche, kulturelle und spielerische Kontakte.
Mit der Eröffnung der Schkola Ostritz als erste deutsch – polnische Grundschule verwirklichen wir eine weitere Vision. Wir leben im Dreiländereck von Polen – Tschechien und Deutschland. Die Erweiterung der Europäischen Union in diesem Jahr stellet die Weichen für die politische Zukunft. Nun liegt es an den Menschen hier an der Grenze die Chancen zu nutzen. Die Einbe-ziehung unserer polnischen Nachbarn in das bestehende Netz der Schkolaschulen eröffnet uns ungeahnte Perspektiven und schafft zugleich neue Herausforderungen.
Ausgestattet mit einer Fülle praktisch-kommunikativer und sozialer Kompetenz werden die Absolventen unserer Schkola nach einem erfolgreichen Abschluss das Rüstzeug mitbringen, die Wirtschaft in unserer Region auch über Grenzen hinweg zu gestalten.
Wir glauben fest an die positiven Wirkungen durch die Erweiterung der EU und den Beitritt unserer Nachbarn. Die Entstehung eines multilingualen Bildungs-, Wirtschafts- und Kultur-raumes ist die Voraussetzung für den regionalen Aufschwung. Nur so wird aus dem Dreilän-dereck eine Dreiländerregion. Die Schulen haben gerade hierfür eine besonders hohe Verant-wortung.
23.07.2004